Konzert 2005 in Wittingen

 

 

„Mein König, dir zu singen“

Unter diesem Motto erlebten Zuhörer einer vollbesetzten St.Stephanskirche in Wittingen am 5. November 2005 ein Konzert zum Gedenken an Paul Kretzschmars 100. Geburtstag. Dabei erklangen hauptsächlich Choralkompositionen von Paul Kretzschmar selbst, die nach der von ihm beliebten, alle Kräfte einbindenen Aufführungspraxis gestaltet wurden.

So wurde zum Beispiel die Choralmotette „Such wer da will“ von Orgel, Gemeinde, Chor und Solisten in wechselnder Reihenfolge musiziert. Höhepunkt der aufgeführten Werke des Wittinger Komponisten war die noch nicht veröffentlichte Kantate „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“.
Die sehr angenehm zueinander passenden Vokalsolisten Renate Hauschild (Sopran) und Daniel Eggert (Bass) führten ihre von ausdrucksstarker Schlichtheit bestimmten Partien wunderbar präzise aus. Auch Violinsolist Thomas Hamborg zeigte gerade bei virtuosen Stellen angebrachte Präsenz. Organist Thomas Müller bestach sowohl in dieser Kantate, als auch in seinem Solostück „Hommage à Marcel Dupré“ von Zsolt Gárdonyi durch grandiose Virtuosität.
Das Zusammenwirken von neuer und alter Musik, das Kretzschmar auch immer wieder zu verbinden versuchte, wurde durch zwei Collagen dargestellt. Die Capella Nova (Bezirkschor des Kirchenbezirks Niedersachsen-Süd der SELK) zeigte sich nicht nur in den Choralmotetten heimisch. Unter der Leitung von Carsten Krüger sang sie zwischen zwei Teilen eines Agnus Dei von Palestrina eine moderne Vertonung von „Peace, I leave with you (Meinen Frieden gebe ich euch)“ des Norwegers Knut Nystedt. Mit guter Konzentration gelang der Capella eine äußerst ansprechende Widergabe dieses sicher nicht ganz leichten und klangvollen Stückes. Insgesamt zeigte sich die Capella trotz oder auch wegen ihrer kammermusikalischen Größe sehr ausgewogen und flexibel, vor allem in weichen piano-Passagen.
Eine noch weitergehende Collage bot der Posaunenchor der Bethlehemsgemeinde Hannover: Die Kombination von Händels Halleluja-Chor und dem Gospel „O when the saints“ ließ nicht nur jüngere Herzen im Publikum höher schlagen! Der Posaunenchor unter der Leitung von Wolfgang Fleischer erfüllte die gesetzten Aufgaben von zurückhaltender Begleitung und rhythmisch und dynamisch anspruchsvoller solistischer Gestaltung sehr gut.
Einen Leitfaden zwischen den Stücken und einige wichtige Erläuterungen und Gedanken zu Paul Kretzschmars Kompositionen und seiner Arbeit mit den Menschen unserer Gemeinden boten die Wortbeiträge von Pastor i.R. Hermann Otto.
Der anschließende Empfang mit einigen Grußworten und einer Filmaufzeichung von Kretzschmars 80. Geburtstag rundeten den Abend zu einem wirklich schönen Geburtstag ab.